Schockmomente

So eintönig es auch ist, birgt das Pendeln ab und zu überraschende Momente. Heute war so ein besonderer Tag.

Bis zu meiner Ankunft am Bahnhof, lief alles wie gewohnt.

Ich gehe also meiner Routine nach und bewege mich im Einklang mit dem Menschenstrom in den Doppelstöcker Richtung Flughafen. Da stehe ich auch schon dem ersten Hinweis auf einen ungewöhnlichen Tag gegenüber. Ein freies Viererabteil und eine Gratiszeitung. Sechs Richtige im Pendler-Lotto. Zufrieden und nichtsahnend platziere ich zuerst mich auf dem Sitz, dann den Kaffeebecher auf dem Klapptischchen vor mir. Hätte ich es nur dabei belassen.

Bei dem Griff zur Zeitung packt mich die blanke Panik. Fettgedruckt und nicht zu übersehen starrt sie mich an und verspottet mich: Die französische Überschrift. Ich suche verzweifelt nach einem Lebenszeichen deutscher Sprache. Doch der Lead ist auf Französisch und ohne weiterzulesen weiss ich, dass es keine Hoffnung gibt. Die ganze Zeitung ist auf Französisch.

Auf diesen Moment wurde ich mein Leben lang vorbereitet, ich hoffte nur, er würde nie kommen. Die Bilingualität der Schweiz verdrängt, erwischt sie mich eiskalt. Schmerzhafte Erinngerungen ans subjonctif, an endlose Jahreszahlen, accents, deren Namen ich mir nie merken kann und unzählige Ausnahmen kommen in mir hoch.

Am Ende siegt mein Wissensdurst gegen die Versagensangst und ich wage mich an den ersten Paragraphen heran. Meinen Schock überwunden, schwöre ich mir, in Zukunft besser im Französisch aufzupassen.

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